Das Anwesen

Eine bisher unbekannte Geschichte

1564 kauft der Schneidermeister Michel Rouilhe einen ersten Weingarten in der Gemarkung „Pierre Plantade“, nach der das Anwesen benannt wurde, um das mit der Zeit das Weingut entsteht. Über fast dreissig Jahre tätigt er weitere Ankäufe; mit Mauern schützt er seine Ernten, seinen Wein lagert er in seinem Haus in der Rue Droite in Aix. 1604 lässt er ein erstes Gebäude errichten nach dem Vorbild des Hauses seines Nachbarn Jean Sala, der Inspektor am Finanzhof ist. Dieses Anwesen ist für die landwirtschaftliche Nutzung bestimmt, hat aber auch mit seinem „Genoise“ genannten Dachüberstand einen repräsentativen Charakter.
Wenig später wird die Tenne zum Dreschen von Getreide angelegt. Der Hof floriert.
In Geldnot geraten verkauft die Familie das Landhaus, das vorübergehend in den Besitz der Familie Dupont, Mitglieder des Aixer Parlaments, übergeht. Diese aber verkauft das Gut 1640 an zwei Handwerker: den Fassbinder Honoré Vigne und seinen Schwiegersohn, den Schumachermeister Noël Martin.

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Das Parterre mit dem Sainte-Victoire Gebirge im Hintergrund

Das Gebäude befindet sich in schlechtem Zustand. Erst als François, der Enkel von Noël, volljährig wird – er ist das erste Parlamentsmitglied der Familie – werden 1696 umfassende Bauarbeiten durchgeführt.
Damals entstehend das Landhaus und das Wirtschaftsgebäude; Mandelbäume, ein Bienenhaus und ein Gemüsegarten vervollständigen die landwirtschaftlichen Kulturen. Nach der Heirat von Anne-Rose, der Tochter von François, mit Nicolas Romégas im Jahre 1724 geht das Gut an die Familie über, die ihm seinen Namen gibt. Die Gärten erleben einen ersten Höhepunkt mit der Anpflanzung von Maulbeerbäumen, dem Bau eines Gebäudes zur Seidenraupenzucht, einer Kapelle, eines Schöpfrads und eines Fischteichs. Im Gemüsegarten wachsen Knoblauch, Kürbisse, Melonen, Zwiebeln und Wassermelonen.

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Zentralallee der Tèse

Nach dem Tode von Nicolas beginnen schwere Zeiten, sie ihren Höhepunkt mit der französischen Revolution erreichen. Nachdem Joseph-François de Romégas, der einige Jahre später in Venedig starb, in die Emigration ging, wird das Gut als Staatseigentum beschlagnahmt. 1795 erwirbt der Schlossermeister Jean-Alexis Mignet das Anwesen. Alle Pflanzungen müssen neu angelegt werden. Der Aufschwung ist spektakulär: das Gut vergrössert sich von zwei Hektar auf über sechzehn Hektar im Jahr 1820, als Mignet stirbt. Er hinterlässt seinen Besitz seinem Schwiegersohn Etienne Michel. Damals wird die Tèse angelegt und man pflanzt die grossen Aleppokiefern. Ab 1870 wird die letzte grosse Renovierung der Gebäude ausgeführt, und zwar von Paris aus unter der aufmerksamen Leitung von François-Auguste Mignet, dem Sohn von Alexis, einem bekannten Historiker und Mitglied der Akademie, der sich der Geschichte des Anwesens verbunden fühlt.

 

Der Wohnbereich der Pächter, bis dato neben dem des Besitzers gelegen, beherbergt nun das Arbeitszimmer des Schriftstellers, der bis zu seinem Tod im Jahre 1884 regelmässig im Anwesen der Familie arbeitet.

Vor der neuen Fassade entsteht das heutige Parterre. Anschliessend beginnt eine Zeit relativen Niedergangs mit den beiden Weltkriegen. Ab 1960 gehen neue Anpflanzungen, wie die Zedern, einher mit umfassenden Instandsetzungsarbeiten und das Anwesen wird um 1980 Hauptwohnsitz.
Es steht seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz und der augenblicklichen Besitzerin, einer direkten Nachfahrin der Familie Mignet, liegt es sehr am Herzen, die Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Der Park, der 2011 das Label „sehenswerter Garten“ erhielt, wird sorgfältig gepflegt, ganz im Geist seiner Geschichte als traditionelles Landgut.

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